SV Alsenborn

ein Verein, der auszog um den Großen das Fürchten zu lehren

Alsenborn, ein kleines Dorf idyllisch und nahezu unberührt in unmittelbarer Nähe zur Kleinstadt Kaiserslautern gelegen, dort wo man beim Metzger schon automatisch seinen Lieblingsbraten hingelegt bekommt wenn man den Laden betritt und beim Bäcker nicht sagen muss, welches Brot man haben möchten, weil man sich einfach kennt, ja genau dort wurde am 15. September 1919 der FV Alsenborn gegründet, aus dem später, genauer gesagt 1945, der SV Alsenborn wurde. Damals konnte kein Mensch ahnen, dass dieser Verein fast 10 Jahre lang im Südwesten Deutschlands und auch darüber hinaus für ein Fußballmärchen sorgen sollte.




Es ist im Herbst 2013, also in diesem Jahr, als ich mich aufmachte, die Spielstätte des SV Alsenborn, das Stadion Kinderlehre zu besuchen. Es war irgendwie symbolisch für den Verein und das Stadion, dass es gerade als ich ankam zu regnen begann, es war nicht irgendein Regen, nein, es war ein seichter, bindfadenähnlicher Regen, so als würde der Himmel über dem Stadion anfangen zu weinen. Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde und als ich am Parkplatz den Eingang sah, welcher gleichzeitig auch der Eingang zur Pizzeria war, dachte ich mir, na ja, ob sich der Trip nun wirklich gelohnt hat?! Nachdem ich die zwei, drei Stufen zum Eingang genommen hatte, sah ich es, das Stadion Kinderlehre, irgendwie beeindruckend, aber irgendwie war es auch nichts dolles, gerade wenn man schon zig andere Stadien gesehen hat…….aber ich spürte schnell, dass da mehr war, als ein in die Jahre gekommenes Stadion, was damals für ca. 13.000 Zuschauer Platz bot. Es erzählte mir quasi im Schnelldurchgang die Geschichte des Vereins SV Alsenborn in Form seines Vereinshöhepunktes zwischen den Spielzeiten 1962/63 und 1972/73.





















Was passierte 1962 mit dem SV Alsenborn, der zu dieser Zeit in der A-Klasse spielte und mehr oder weniger vor sich hin dümpelte? Man hatte von 1949/50 - 1951/52 in der zweithöchsten Amateurklasse gespielt und ist dann sogar bis in die höchste Amateurklasse (Südwest) aufgestiegen, in der man auch von der Saison 1952/53 - 1954/55 spielte, bis es dann stetig wieder bergab ging, bis eben in die A-Klasse.

1962 kam dann der Fritz Walter, genau der Fritz Walter der 1954 ein Idol für eine ganze Nation wurde, als er einer der Protagonisten war, die das „Wunder von Bern“ schafften und Fußball-Weltmeister wurde. Er und sein damaliger Freund Hannes Ruth aus gemeinsamen Zeiten beim 1.FC Kaiserslautern kamen zum SV Alsenborn um einer Vision nachzugehen, die beide, Gerüchten zu Folge mit einem Schwur (der Schwur von Amsterdam) der beim Europapokal Endspiel 1962 in Amsterdam (zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon) geboren wurde. Dieser Schwur beinhaltete das Ziel, den kleinen SV Alsenborn in der Deutschen Bundesliga zu etablieren. Hierzu sollte Fritz Walter mit seinem Namen und seinem Einfluss Spieler nach Alsenborn lotsen und Hannes Ruth als Bauunternehmer für das nötige „Kleingeld“ sorgen. Als erstes wurden, wie sollte es anders sein, drei Spieler vom 1.FC Kaiserslautern nach Alsenborn gelotst, dies waren Torwart Willi Hölz, Otto Render, seines Zeichen Außenläufer und Erwin Rödler. Außerdem kamen auch immer mehr junge Spieler zum SV Alsenborn, die sich zu viel versprechenden Talenten mauserten. Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein und man stieg in den Jahren zwischen 1962 und 1965 dreimal hintereinander auf und spielte dann in der damals zweithöchsten Spielklasse Deutschlands (Regionalliga Südwest). 1965 sorgte man beim ersten Auftritt im DFB-Pokal erstmals für Aufsehen, als man nur 1:2 gegen Eintracht Frankfurt verlor.

 Der sportliche Erfolg hielt auch in der Regionalliga an und so war es quasi folgerichtig, dass man 1968 erstmals als damaliger Meister der Regionalliga Südwest an der Aufstiegsrunde zur Fußball-Bundesliga teilnahm. Man spielte in einer Gruppe mit so großen Namen wie, Hertha BSC Berlin und Rot-Weiss Essen, außerdem spielte man noch gegen den SC Göttingen 05 und Bayern Hof. Da inzwischen das Stadion Kinderlehre zu klein wurde, wich man nach Ludwigshafen aus um gleichzeitig auch den Auflagen des DFB gerecht zu werden (tja, die gab es damals auch schon), bei einem Aufstieg plante man einen kompletten Umzug dorthin, mit gleichzeitiger Fusion mit SW Ludwigshafen. Der Aufstieg blieb den Westpfälzern verwehrt, aber man erreichte durch die beiden darauf folgenden Meisterschaften in der Regionalliga Südwest weitere zweimal die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Man wurde aber jedes Mal wie auch schon 1968 nur dritter. Die Gegner hießen 1969 Rot-Weiß Oberhausen, Hertha Zehlendorf, VfB Lübeck und der Freiburger FC. 1970 waren die Gegner Arminia Bielefeld, Karlsruher SC, Tennis Borussia Berlin und der VfL Osnabrück.

Hier geht`s zu den Ergebnissen und Tabellen der Aufsteigsrunden

1967/68 / 1968/69 / 1969/70






Da der Fußball in der Bundesliga nicht zuletzt wegen seiner finanziellen Möglichkeiten auch für talentierte Spieler der Regionalligen immer attraktiver wurde, zog es nach der dritten verpassten Aufstiegschance, folgezeitlich sage und schreibe 31 Spieler vom SV Alsenborn in die Eliteklasse. Unter anderem verzeichnete der SV Alsenborn zu seiner Zeit den teuersten Transfer in Deutschland, als der Spieler Lorenz Horr für 336.000 DM zu Hertha BSC Berlin wechselte. Das dieser Aderlass nicht verkraftet werden konnte war klar und so schraubte man die Erwartungen etwas runter und versuchte sich nun für die 1974 Neugegründete 2.Liga zu qualifizieren. Dies ging nicht über eine rein sportlich Qualifikation von statten, sondern wurde durch wirtschaftliche Prüfungen und einem etwas undurchsichtigem Punktesystem den Vereinen ermöglicht. Aufgrund dieser Beurteilungen wurde der SV Alsenborn zunächst für die neue 2.Liga zugelassen. Aber wie sollte es anders sein, hatte ein andere Verein (1.FC Saarbrücken) etwas dagegen und klagte, was zur Folge hatte, dass es daraufhin ständig eine Art von Gefühlsachterbahn für die Verantwortlichen des SV Alsenborn gab. Das letztendliche Resultat war, dass man den 1.FC Saarbrücken bevorzugte. Argumentiert wurde die Entscheidung von Seiten des DFB-Sportgerichts damit, dass die Lizenz wegen Unzulänglichkeiten der Sportanlage und wirtschaftlichen Unsicherheiten nicht erteilt werden kann.

Nach dieser Nichtberücksichtigung, bzw. Nichtzulassung für den Profifußball ging es mit einer Ausnahme, dem Aufstieg in die Bezirksklasse Westpfalz im Jahre 2012, stetig bergab. Aktuell liegt der SV Alsenborn nach einem 1-7 zu Hause gegen die SG Niederkirchen/Morbach auf dem 7. Platz der A-Klasse Kaiserslautern-Donnersberg.

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Quellverweis:
Wikipedia  Verbandsgemeinde Enken-Alsenborn  /  SV Alsenborn  / Fussballdaten.de 

Fotos:
© Thorsten Stedtfeld